Worum es geht

„Dass Leben aufkommt … und nicht kümmerlich bleibt.“ (P. M. Zulehner)

Religionslehre unterrichten will lebensdienlich sein.

Religionslehre unterrichten bedeutet für uns, zu konturierter Reflexion und Artikulation von Überzeugungen in Darstellung und Lebensgestaltung zu befähigen. Pluralismus ist in unserem Verständnis kein bloßes Nebeneinander verschiedener Sinnentwürfe und erst recht nicht die Bevorzugung eines Sinnentwurfs mit den Mitteln der Institution. Pluralismus ereignet sich für uns in positionierter und offensiv gestalteter Kommunikation.

Religionslehre unterrichten zielt in unserem Verständnis auf die Förderung der Reflexionskraft des Individuums und begnügt sich nicht mit dem Aufsagen des moralischen Minimalkonsenses oder einem Tugendstandard.

Religionslehre unterrichten will mit der „gefährlichen Erinnerung“ daran, dass „alles noch immer nicht genug ist“ die Kolonialisierung der Bildung mit funktionalem Rüstzeug unterbrechen.

Religionslehre unterrichten lebt vom Vertrauen darauf, dass die Botschaft von der

  • Vollkommenheit ohne Leistung,
  • von der universalen Barmherzigkeit,
  • von der Bevorzugung der Habenichtse,
  • von der Wichtigkeit eines jeden für das Glück der Welt

einen guten Weg zeigt.

Bezug zum Leitbild der Schule

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Mit dieser Grundausrichtung setzt das Fach das Leitbild des EGD um. Das Fach nimmt mit seiner Ausrichtung auf die Lebensdienlichkeit die Arbeit an der Ermutigung und Unterstützung des Individuums ausdrücklich auf. Indem die Verzweckung immer wieder der Frage nach dem Sinn ausgesetzt wird, leistet das Fach seinen signifikanten Beitrag nicht nur zur Persönlichkeitsentwicklung, sondern ebenso zur zeitgenössisch wachen didaktischen Kultur.

Seit Ende 2008 sind die beiden Fächer Evangelische und Katholische Religionslehre in einer gemeinsamen Fachkonferenz verbunden, was nicht nur im seit kurzem konfessionsübergreifend organisierten Unterricht in den Jahrgängen 5 und 6 begründet liegt. Die am EGD praktizierte Form der Zusammenarbeit kann dabei durchaus als Zeichen für eine fortschreitende konfessionelle Kooperation gesehen werden. Dabei sollen Unterschiede in den Konfessionen nicht verschwiegen, jedoch vor allem Gemeinsamkeiten betont werden – in der Hoffnung auf ein geeintes Christentum.

Auch die Fächer Evangelische und Katholische Religionslehre sind (natürlich) von den weitreichenden Reformen im Schulsystem des Landes Niedersachsen betroffen. So ist die Fachschaft zur Zeit dabei, die seit dem 1.08.2009 geltenden neuen Kerncurricula für die beiden Konfessionen in schuleigene Curricula zu übertragen. Dabei werden für die Jahrgänge 5 bis 10 inhaltliche Vorgaben in inhalts- sowie prozessbezogene Kompetenzen übertragen. Die neuen Kerncurricula der beiden Konfessionen sind einzusehen unter: http://nline.nibis.de/

Zudem wird es im Rahmen der Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Schuljahre im Schuljahr 2009/10 letztmalig einen Jahrgang 13 geben. Dies hat Auswirkungen auf die Verteilung der Themenschwerpunkte.

Wir bitten Sie diese beiden Hinweise im Folgenden zu berücksichtigen.

Konfessionsübergreifender bzw. -kooperativer Unterricht in den Jahrgängen 5 und 6

In den Jahrgangsstufen 5 und 6 wird der Religionsunterricht im Klassenverband erteilt. Die Konfession gibt die jeweilige Religionslehrkraft vor. Als Arbeitsgrundlage wird das Buch „Religion – entdecken – verstehen – gestalten“ verwendet. Der Unterricht umfasst in der Regel zwei Wochenstunden. Pro Halbjahr wird eine verbindliche schriftliche Lernzielkontrolle vorgenommen, die ein Drittel der Gesamtnote ausmacht.

Evangelische Religion

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Der schulinterne Lehrplan für das Fach Evangelische Religion sieht folgende Themen vor:

Jahrgangsstufe 5

  1. Jesus Christus: Jesus von Nazareth in seiner Zeit und Umwelt
  2. Geschenkte Freiheit – Rechtfertigung: Angst und Geborgenheit
  3. Kirche und Kirchen: Gemeinsam glauben in verschiedenen Kirchen
  4. Gerechtigkeit und Nächstenliebe: Konflikte austragen – sich versöhnen

Jahrgangsstufe 6

  1. Gott: Gott in Lebensgeschichten
  2. Weltreligionen: Abraham steht am Anfang
  3. Judentum: David – eine Brücke zwischen Juden und Christen
  4. Bibel: Biblische Geschichten und ihre Symbole

Katholische Religionslehre

Die Fachkonferenz Katholische Religionslehre hat beschlossen:

Jahrgangsstufe 5

  1. Zeit und Umwelt Jesu
  2. Gemeinsam Glauben in verschiedenen Kirchen
  3. Gott – ganz anders und nah

Jahrgangsstufe 6

  1. David – König Israels
  2. Kinder Gottes in der Einen Welt
  3. Der Mensch als Geschöpf Gottes

Spezifische Methoden des evangelischen und katholischen Religionsunterrichts

  • Bildbetrachtung
  • Handlungs- und Produktionsorientierter Umgang mit Texten und Bildern
  • Methoden szenischer Interpretation
  • Klangerfahrungen im Kirchenraum
  • Internet-Recherche
  • Mediengestützte Präsentationen

Möglichkeiten des Besuchs außerschulischer Lernorte in Duderstadt und Umgebung

  • Evangelische und katholische Kirche und Duderstadt mit Kirchenbegehung
  • Diakonie/ Caritas
  • Emmaus-Zentrum in Duderstadt (katholisches Jugendzentrum)
  • Ref. Gemeinde in Göttingen
  • Jüdische Gemeinde in Göttingen
  • Ditib-Moschee in Göttingen

Katholischer Religionsunterricht in den Jahrgängen 7 bis 13 (Abitur 2021)

Katholischer Religionsunterricht in den Jahrgängen 7 bis 10

Die Schüler werden im Regelfall mit zwei Schulwochenstunden unterrichtet und schreiben eine Lernzielkontrolle, die mit einem Drittel die Zeugnisnote bestimmt. Über die vier (obligatorischen) Themenschwerpunkte hinaus wählt die Lehrkraft – ggf. in Absprache mit der jeweiligen Klasse – weitere Themen aus. Unten finden Sie Themenschwerpunkte, die nun in prozessbezogene Kompetenzen übertragen werden.

Das neue Kerncurriculum im Fach Katholische Religionslehre:

Folgende Merkmale weist das neue Kerncurriculum auf:

  • Vom Inhalt zur Kompetenz:
    • Reduzierung der Angaben auf überprüfbare Kompetenz
      Bsp.: „Die Schüler deuten bildhafte Formen des Sprechens von Gott (z.B. Gleichnisse Jesu etc.)…“
    • Präzisierung (der geplanten Unterrichtsziele)
      Bsp.: „Die Schüler beschreiben das Gebet als eine Form des Sprechens mit Gott…“

Gliederung des neuen Kerncurriculums1)

Prozessbezogene Kompetenzen Inhaltsbezogene Kompetenzen sowie Leitthemen und Grundbegriffe
1. Wahrnehmen Mensch
Der Mensch berufen zu Freiheit und Hoffnung.
2. Darstellen (1 und 2 werden zusammengefasst): Religiös bedeutsame Phänomene wahrnehmen und beschreiben Jesus Christus
Die Sehnsucht nach Erfüllung und die Heilsbotschaft Jesu Christi.
3. Deuten: Religiös bedeutsame Sprache und Zeugnisse verstehen und deuten Gott
Die Frage nach dem Sinn und die Unbegreiflichkeit Gottes.
4. Urteilen: In religiösen und ethischen Fragen begründet urteilen Kirche
Das Zeugnis der Kirche von der Gegenwart Gottes in Geschichte und Gesellschaft.
5. Einen Dialog führen: Am religiösen und ethischen Dialog argumentierend teilnehmen Ethik
Das Handeln des Menschen in der Verantwortung vor sich, vor den Mitmenschen und vor Gott.
6. Gestalten: Religiös bedeutsame Ausdrucks- und Gestaltungsformen verwenden Religionen
Religionen im Dialog

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Beispiel für eine konkrete Überarbeitung

(Vorschlag sinngemäß übernommen von Herrn Nagel – Fachberater Katholische Religionslehre – in einer Veranstaltung in Braunschweig vom 19.05.09):

Jahrgang 10: Tod – eine Lebensfrage

PROZESSBEZOGENE KOMPETENZEN GESTALTUNGSMÖGLICHKEITEN IM UNTERRICHT
Die Schüler beschreiben ethische Konflikte mit Blick auf Sterben und Tod.
Anthropologie
§ Teri Schiavo.
(…) legen umstrittene biblische Texte fachmethodisch angemessen aus.
Theologie
§ Kain und Abel
(…) vergleichen das christliche Menschenbild mit einem anderen Entwurf.
Anthropologie
§ Vorschläge in der Gesetzgebung zur Sterbehilfe, Blick auf Nachbarländer Schweiz, Belgien oder die Niederlande
(…) erörtern ethische Dilemmata in Zusammenhang mit Sterben und Tod.
Ethik
§ Bspw. mit Bezug zur Patientenverfügung.
(…) bewerten eine biblische bzw. lehramtliche Aussage zu einem anthropologischen oder ethischen Problem.
Ethik
§ Stellungnahme der Deutschen Bischofskonferenz
(…) erläutern das Proprium christlicher Ethik. § Bspw. anhand eines Vergleichs
§ Betonung christlicher Nächstenliebe
(…) bewerten eine Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche.
Ekklesiologie
§ Positionen zu aktiver, passiver und indirekter Sterbehilfe
(…) bereiten medial ihre Auseinandersetzung mit Fragen der Endlichkeit auf.
Anthropologie
§ Todesstrafe, Suizid, militärische Intervention
(…) bereiten eigene und fremde Standpunkte bezüglich des Gottesglaubens auf.
Theologie
§ Z.B. in Form einer Präsentation
(…) verleihen der christlichen Auferstehungshoffnung kreativ Ausdruck.
Christologie
§ Z.B. in der Form

Katholischer Religionsunterricht in den Jahrgängen 11 bis 13 (Abitur 2021)

Das Fach kann in der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe von Schülern auf allen drei möglichen Anforderungsniveaus gewählt werden. Bisher ist am EGD aber (leider) noch kein Kurs auf erhöhtem Anforderungsniveau zustande gekommen, jedoch wird Katholische Religionslehre häufig als P4- oder P5-Fach angewählt. Die Schüler unterziehen sich dann einer Klausur von 220 Minuten Bearbeitungszeit oder einer mündlichen Prüfung von einer Dauer von mindestens 20 Minuten.

Die Inhalte des Unterrichts orientieren sich an den zentral vorgegebenen Schwerpunkten des Landes Niedersachsen, die – jeweils wechselnd – aus den Bereichen Christologie, Theologie, Ekklesiologie, Anthropologie und Ethik stammen. Zur kurzen Erklärung anhand der zentralen und übergeordneten Fragestellungen:

  • Christologie: Wer ist Jesus, der Christus? Welche Bedeutung kommt ihm zu?
  • Theologie: Was können wir über Gott sagen? Welche Glaubensinhalte bestimmen das Christentum, aber auch ganz allgemein andere Religionen?
  • Ekklesiologie: Was zeichnet die Kirche aus?
  • Anthropologie: Was ist der Mensch?
  • Ethik: Was soll ich tun?

Evangelischer Religionsunterricht in den Jahrgängen 7 bis 13

Evangelischer Religionsunterricht in den Jahrgängen 7 bis 10

Im Anschluss an den Unterricht in konfessioneller Kooperation in Jahrgang 5 und 6 wird ab Jahrgang 7 nach Konfessionen getrennt unterrichtet. Da die evangelischen SchülerInnen am EGD in den meisten Klassen in der Minderheit sind, setzten sich die Kurse in evangelischer Religion in der Regel aus mehreren Klassen desselben Jahrgangs zusammen. Zum Schuljahr 2009/2010 haben wir im Fach evangelische Religion ein neues Lehrwerk eingeführt: Religion entdecken, verstehen, gestalten, mit dem in Kürze in allen Jahrgängen unterrichtet werden kann (in Jahrgang 9/10 wird noch die überarbeitete Fassung erwartet). Pro Halbjahr wird eine schriftliche Lernkontrolle geschrieben, die 1/3 der Gesamtnote ausmacht. Die anderen 2/3 ergeben sich aus der Mitarbeit im Unterricht. Dazu können laut dem neuen Kerncurriculum folgende Beiträge zählen:

  • Redebeiträge im Unterrichtsgespräch
  • Vortragen von Hausaufgaben
  • Gestalterische Arbeiten (z. B. Collagen, Plakate, Bilder, Diagramme, Audio-, Video- und PCArbeiten)
  • Ausführen einer Rolle oder Entwerfen einer Szene, Bauen eines Standbildes
  • Erstellen von Dokumentationen und Ausstellungen
  • Präsentationen, auch mediengestützt
  • Vortragen von Ergebnissen aus Partner- und Gruppenarbeit
  • Planen und Durchführen von Befragungen, Interviews oder Wettbewerbsbeiträgen
  • Organisieren und Umsetzen von Unterrichtsprojekten (Informationsbeschaffung, Kontakte mit
  • außerschulischen Institutionen, Planen und Realisieren von Arbeitsschritten)
  • Zusammenstellen einer thematisch geordneten Arbeitsmappe oder eines Portfolios
  • Übernehmen zusätzlicher Ausarbeitungen (Kurzreferate und Berichte)

(vgl. Kerncurriculum für das Gymnasium Schuljahrgänge 5 – 10, S. 37)

Noch geltende Themenvorgaben für die Jahrgänge 7 bis 10

Klasse 7

  • Schöpfung: Von der Schöpfung erzählen
  • Kirche und Kirchen: Die Geschichte unserer Kirche erforschen
  • Weltreligionen: Allah uh Akbar – den Islam kennen lernen
  • Sinn des Lebens: Sich entscheiden – dem Gewissen folgen

Klasse 8

  • Gott: Nach Gott ragen – Gottesbilder deuten
  • Jesus Christus: Die Botschaft Jesu entdecken
  • Geschenkte Freiheit – Rechtfertigung: Schuldig werde – Vergebung erfahren
  • Nächstenliebe: Prophetisches Reden und Handeln

Klasse 9

  • Judentum: Blick nach Israel
  • Gerechtigkeit und Nächstenliebe: Frieden und Gerechtigkeit in der Einen Welt
  • Freundschaft, Liebe, Sexualität: Verantwortete Partnerschaft
  • Leben und Tod: Tod – eine Lebensfrage

Klasse 10

  • Bibel: Die Bibel zwischen Glauben und Wissenschaft
  • Gott: Glaube an Gott – Zweifel an Gott
  • Jesus Christus: Glaube an den auferstandenen Christus
  • Geschenkte Freiheit – Rechtfertigung: Rechtfertigung: Befreiung zum Leben
  • Weltreligionen: Hinduismus, Buddhismus

Evangelischer Religionsunterricht in den Jahrgängen 11 bis 13

Das Fach kann in der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe auf mehreren Anforderungsniveaus angewählt werden. Ein Kurs auf erhöhtem Anforderungsniveau ist allerdings bisher nicht zustande gekommen. Als Prüfungsfach (P4 und P5) wird Evangelische Religionslehre häufig gewählt. Die Schüler schreiben dann entweder eine Klausur (Bearbeitungszeit: 220 Minuten) oder unterziehen sich einer mündlichen Prüfung von zwanzig bis dreißig Minuten. Allgemeine Hinweise zur Durchführung des Abiturs finden Sie unter:

Die Inhalte des Unterrichtes orientieren sich an den zentralen Themenvorgaben des Landes Niedersachsen, lassen aber auch Spielraum für weitere inhaltliche Akzentsetzungen. Im Wesentlichen werden übergreifend im Wechsel folgende Themenkreise unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet: Jesu Botschaft, sein Wirken und seine Bedeutung (Christologie); Gottesfrage im Zusammenhang von Vorstellungen und Erfahrungen unter besonderer Berücksichtigung biblischer Zeugnisse (theologische Zusammenhänge) bezogen auf heutiges Selbstverständnis; die Frage nach dem Menschen (Anthropologie); Kirche als Raum von Glaubenszusammenhängen und Institution christlichen Handelns; Religionskritik; die Frage nach dem Leid in der Welt im Zusammenhang mit der Gottesfrage (Theodizeeproblematik); die Frage nach christlichen Handlungsmaximen im Verhältnis zu säkularen Handlungsmaximen (Ethik); Reformation (Rechtfertigungslehre und Freiheitsbegriff bei Paulus und Martin Luther). Die genauen thematischen Schwerpunkte finden Sie auf den Seiten des Niedersächsischen Bildungsservers (s.o.).

Eine Orientierungshilfe zu den erwarteten Schülerleistungen bieten die vom Kultusministerium veröffentlichten Operatoren, die dem Schüler an die Hand gegeben werden. Es werden drei Klausuren im Jahrgang geschrieben, die prozentual 40 bzw. 50% der Note ausmachen.

Wer unterrichtet das Fach Religion?